Mittelstandsanleihen: Ein Marktüberblick

18. Mai 2018 | Von | Kategorie: Betriebspraxis

Schon mehrfach wurde der Markt für die Mittelstandsanleihen für tot erklärt. Doch letztes Jahr zeigte sich der Markt besonders lebhaft – auch zu Beginn des Jahres 2018 gab es kräftige Lebenszeichen.

Totgesagte leben länger – Mittelstandsanleihen feierten ein unerwartetes Comeback

Der Hintergedanke von Anleihen? Sie sollen kleinere Unternehmen unabhängiger von Banken machen. Immer wieder wurden die Papiere aber zum Tummelplatz für Sanierungsfälle – die Verlierer waren am Ende immer die Sparer. Doch 2016, das Jahr, an dem der Markt für Mittelstandsanleihen endgültig für tot erklärt wurde, ist endgültig vorbei. 2017 feierte der Markt ein nicht für möglich gehaltenes Comeback.

Den Startschuss gab im vergangenen Jahr der Holzwerkstoffverarbeiter Homann. Anfang Juni 2017 wurden innerhalb weniger Stunden rund 50 Millionen Euro eingeworben – somit war es möglich, rund 50 Prozent der Anleihen zu refinanzieren, die erst im Dezember fällig geworden wären. Für die neuen Anleihen bot Homann einen Aufschluss von 5,1 Prozentpunkten auf den Referenzzins.

Wenig später, nachdem Homann mit dieser durchaus nicht erwartete Refinanzierung für Aufsehen sorgte, meldete sich Metalcorp zu Wort und zeigte sich noch mutiger, da die Anleihe erst ein Jahr später fällig geworden wäre. Das geplante Volumen lag bei 70 Millionen Euro. Gegenüber dem Jahresende 2016 entstand eine Bruttofinanzverschuldung im Bereich der 25 Prozent.

Auch die Anleihe von Paragon, einem Autozulieferer, wäre erst im Sommer fällig geworden. Doch schon vor rund einem Jahr ließ Paragon aufhorchen, man wolle die Gunst der Stunde nutzen. In weiterer Folge legte der Autozulieferer eine Anleihe mit einem 40 Millionen Euro-Volumen auf. Ein mutiges Unterfangen – das Unternehmen hatte im Jahr 2013 gerade einmal 10 Millionen Euro platziert und danach diese Anleihe sogar um weitere 3 Millionen aufstocken müssen.

Bleibt der Markt stabil?

Sehr wohl gelungene Refinanzierungen und das Ausbleiben neuer Hiobsbotschaften haben im Jahr 2017 den Anlegern Sicherheit gegeben; endlich war man wieder bereit, hochverzinste Anleihen zu erwerben. Ob das auch in naher Zukunft so bleiben wird? Fakt ist, noch immer gibt es genügend Unternehmen, die sich um eine Refinanzierung bemühen. So etwa auch More & More, ein Mode-Unternehmen. Ende Juni 2018 wäre die Anleihe, die ein Volumen von 10 Millionen Euro hatte, fällig gewesen. Doch schon im vergangenen Sommer kündigte More & More ein Rückkaufangebot für insgesamt 3,85 Millionen Euro zum Kurs von 35 Prozent an – gebunden an einem Mindestannahmevolumen mit einer Laufzeit bis zum 16. Juni. Der Plan ging aber nicht auf. Zwei Tage, bevor die Frist zu Ende ging, kündigte das Mode-Unternehmen an, man werde auf das Mindestannahmevolumen verzichten.

Anleger müssen dennoch vorsichtig bleiben

Wer sich für den Mittelstandsanleihenmarkt interessiert, der wird feststellen, dass es zwei Seiten gibt – so die Befürworter, die davon sprechen, der Markt sei wieder stabil, und die Kritiker und Skeptiker, die noch immer der Ansicht sind, der Markt sei tot, da hier eindeutig zu wenig Qualität vorhanden sei. Fakt ist: Wer in den Markt investieren will, der muss vorsichtig sein – denn auch wenn die letzten Monate durchaus gezeigt haben, dass der Markt stabil ist, so heißt das nicht, dass er auch stabil bleibt.

 

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