Deutscher Mittelstand will trotz Eurokrise Auslandsaktivitäten ausbauen

19. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Nachrichten

Der deutsche Mittelstand will sich ungeachtet der Euro- und Staatsschuldenkrise in Zukunft noch stärker im Ausland engagieren, zahlreiche Firmen planen einen ersten Schritt auf internationale Märkte. Bereits heute ist selbst unter den kleinen Mittelständlern fast jeder Zweite im Ausland aktiv. Das geht aus einer neuen Studie der KfW und des Verbandes der Vereine Creditreform hervor. Besonders optimistisch sind die Exporteure: 64 Prozent von ihnen wollen bis zum Jahr 2015 ihre Exporte ausweiten. 7 Prozent der befragten Unternehmen planen erstmals Exportaktivitäten. Auch die Direktinvestoren zeigen sich zuversichtlich. 46 Prozent von ihnen planen, ihr Engagement zu verstärken. 42 Prozent wollen ihr gegenwärtiges Niveau halten.

Die Studie macht erstmalig deutlich, dass die mittelständischen Unternehmen bei der Entwicklung ihrer internationalen Aktivitäten sowohl im Hinblick auf die regionale Ausrichtung als auch in Bezug auf die Art ihrer Geschäfte bewusst einen „Stufenplan“ verfolgen. Dabei führt der erste Schritt in der Regel zunächst in Nachbarländer und erst dann in entfernte Regionen wie Nordamerika oder Asien. Zugleich bilden Exporte den Ausgangspunkt für Direktinvestitionen in Form von Joint Ventures oder Tochtergesellschaften. Exporterfahrungen sind dabei ein wichtiger Erfolgsfaktor: Fehlen Exporterfahrungen, ziehen sich Direktinvestoren viermal häufiger zurück. Das Hauptmotiv für Direktinvestitionen im Ausland ist die Erschließung neuer Absatzmärkte (78 Prozent). Kostenfaktoren spielen derzeit eine nachgelagerte Rolle (42 Prozent).
Bei ihren Auslandsaktivitäten sehen sich die Unternehmen mit einer Reihe von Hindernissen konfrontiert. Insbesondere die Unsicherheit über das Rechtssystem im Ausland, der Verwaltungsaufwand sowie das Zahlungsverhalten der Geschäftspartner hemmen die Unternehmen. Zudem hat jedes vierte Unternehmen Schwierigkeiten bei der Finanzierung seiner Auslandsaktivitäten. Diese Hemmnisse sind umso größer je kleiner das Unternehmen ist.

„Die Präsenz des deutschen Mittelstandes auf den internationalen Märkten ist Erfolgsfaktor und Gradmesser für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Volkswirtschaft. Westeuropa ist für den Mittelstand dabei das Tor zur Welt. Ein starker europäischer Binnenmarkt bleibt auch künftig Voraussetzung für erfolgreiche Internationalisierungsstrategien kleiner und mittlerer Unternehmen und damit für Wachstum und Beschäftigung hierzulande“, sagt Dr. Jörg Zeuner, Chefvolkswirt der KfW.

Die vollständige Studie „Internationalisierung des Mittelstands – Step by step zum Global Player“ ist auf den Seite der KfW erhältlich (pdf).


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